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König der Toreros (DVD+R uncut) Abverkauf
[03970-*-63]

8.80€

5 von 5 Sternen5 von 5 Sternen

Kann es politisch korrekt sein, einen Film, der das Thema Stierkampf zum Inhalt hat, als
hinreißend zu kategorisieren?

Ich habe auf diese Frage an anderer Stelle eine Antwort gefunden, die paßt, wie die
sprichwörtliche Faust aufs Auge. Ich nehme mir hier die Freiheit, die Verfasserin sinngemäß
zu zitieren:

„Ich bin ja auch nicht für Mord, und sehe mir trotzdem Krimis an“.

Nun zum Film: Er handelt von Aufstieg und Niedergang des Toreros Juan Gallardo (Tyrone Power).
Er ist der Sohn eines in der Arena getöteten Stierkämpfers und möchte seinem Vater beruflich
nacheifern. Als Halbwüchsiger stiehlt er sich nachts davon um bei einem Viehzüchter „zu spielen.“
Schließlich geht er nach Madrid um sich ausbilden zu lassen. Zehn Jahre später, erste Erfolge haben
sich eingestellt, kehrt er nach Sevilla zurück. Er gibt sich großzügig und großspurig, und darin
kommt das zentrale Problem seiner Persönlichkeit zum Ausdruck: Unsicherheit – in allen
Belangen die nichts mit dem Stierkampf zu tun haben (egal ob fachlich oder menschlich) kennt
er sich nicht aus. Er ist ein Fachidiot (meine persönliche Interpretation) und wird es immer bleiben –
und das wird ihm zum Verhängnis, denn alle nutzen ihn aus und er merkt es nicht.

Zunächst geht es mit der Karriere weiter aufwärts. Dann gerät Juan, naiv und weltfremd wie er ist,
in die Fänge einer männerfressenden Aristokratin (Rita Hayworth – gut wie nie zuvor und hinterher)
und sein Niedergang beginnt. Seine Leistungen stimmen nicht mehr, er macht Schulden, die Freunde
wenden sich ab, er fängt an zu trinken und die Frau läuft ihm weg. Viele hatten ihn gewarnt, aber
er hat sich nie was sagen lassen. Schließlich findet er den Tod in der Arena.

Der Film ist beinahe achtzig Jahre alt – und eine Wucht. Natürlich sind die Szenen in der Arena der
Höhepunkt des Films, doch seine innere Spannung bezieht er aus dem Dramacharakter der
Handlung. Die Ausstattung ist kolossal, die Farben prächtig und die Dialoge gut ausgewogen, so daß sich
romantische und fesselnde Szenen gefällig ablösen. Die Darsteller? – Große Stars in jungen
Jahren.

Überraschenderweise ist der Film frei von sensationellen Effekten. Natürlich, es sind ein paar – sehr
schöne – Arenaszenen enthalten (ohne geht’s ja nicht), doch es ist gewiß kein Pro-Stierkampf-Film.
Im Gegenteil: An einigen Stellen werden die Schattenseiten der Corrida aufgezeigt und die
Sensationslüsternheit des Publikums scharf kritisiert. Eines Publikums, daß den Tod eines Toreros
billigend in Kauf nimmt, wenn nur das Entertainment sichergestellt ist. (Eine Sichtweise die heute
natürlich empörend ist – an das arme Tier denkt wohl niemand?).

Sehr nachdenklich stimmt auch die Schlußszene. Das Publikum jubelt Juans Nachfolger an diesem Nachmittag zu
und die Kamera fängt am Boden der Arena die geworfenen Hüte und Blumensträuße ein. Dann ein Schwenk nach rechts
und ein dicker Blutfleck zeichnet sich im Sand ab – ENDE.
Eingetragen: 11.04.2020 von Niels Volchert
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